Hintergrund

Yoga gilt als eines der sechs orthodoxen Systeme der indischen Philosophie und findet seinen Ursprung in den Schriften des großen Weisen Patanjali, der ca. 250 – 500 vor Christus die Lehren der Veden in aphoristischen Merksprüchen (sogenannten Sutren) zusammenfasste. Yoga ist aus der Sanskritwurzel Yujir hergeleitet und kann als anbinden oder verbinden übersetzt werden. Vereinfacht gesagt meint Yoga die Vereinigung von Geist, Körper und Seele bzw. dem wahren Selbst oder auch dem Göttlichen, wobei das wahre Selbst gleichsam ein göttliches Selbst meint. Patanjali beschreibt in seinen Sutras den 8-stufigen Weg (Astanga), der den Übenden dazu befähigt, sein wahres (und zugleich göttliches) Selbst zu erkennen und zu verwirklichen.

Iyengar-Yoga ist eine Form von Hatha-Yoga, der Form des Yoga, bei der vor allem die Körperhaltungen und Atemübungen im Mittelpunkt der Praxis stehen und die sich bei uns im Westen so großer Beliebtheit erfreut. Die historischen Wurzeln des Hatha Yoga finden sich im Tantrismus, dessen körperorientierte Übungspraxis als Vorläufer und Namensgeber angesehen werden kann.

Die Arbeit am Körper ist nach B.K.S. Iyengar die Methode, durch die “der unruhige Geist beruhigt und die Energie in schöpferische Bahnen gelenkt wird”. B.K.S. Iyengar bezieht sich dabei in seiner Lehre auf Patanjali und den von ihm beschriebenen Weg der Selbstverwirklichung.

„Der Körper ist der Bogen, das Asana der Pfeil,
und die Seele das Ziel“

– B.K.S. Iyengar –

Methoden

Im Fokus von Iyengar Yoga stehen die Yogahaltungen (Asanas): Stehhaltungen, Vorwärtsstreckungen, Drehungen, Rückwärtsstreckungen sowie regenerative Haltungen und Umkehrstellungen. Diese werden in unterschiedlichen Sequenzen und anhand von verschiedenen Schwerpunkten geübt. Hinzu kommen Atemtechniken (Pranayama), die auf einer feinstofflicheren Ebene wirken.

Im Iyengar Yoga werden auch Hilfsmittel wie Gurte, Klötze, Stühle und feste Kissen, Gewichte, von der Wand oder der Decke hängende Seile oder eigens gefertigte Bänke und vieles mehr genutzt. Ihre gezielte Entwicklung durch B.K.S. Iyengar revolutionierte die Kunst des Yoga und legte darüber hinaus den Grundstein für den therapeutischen Yoga. So können die Asanas in all ihren Aspekten erforscht und erfahren werden.

Alle SchülerInnen können im Iyengar Yoga gemäß ihrer Möglichkeiten üben. Körperliche Einschränkungen, schlechte Konstitution oder Alter sind keine Hinderungsgründe.

Iyengar-Yoga ist präzise. Die detaillierte Arbeit am Körper kann schon nach einer kurzen Übungszeit zu tiefer Konzentration führen. Einzelne Stellungen werden dabei bewusst gehalten, damit sich die Wirkung entfalten kann. Der Körper wird mit Iyengar Yoga in allen Bereichen gekräftigt und in ein Gleichgewicht gebracht. Iyengar-Yoga beginnt beim äußeren Körper und wirkt mit zunehmender Übung auch auf das Innere.

Iyengar entdeckte durch akribisches Selbststudium, wie subtile Bewegungen eine Haltung nicht nur vervollständigen, sondern ihr eine neue Qualität und Dimension erschließen. Das genaue, detaillierte Arbeiten am Körper verleiht dem Üben eine innere Dynamik, durch die jede Haltung zu einem den ganzen Menschen erfassenden Geschehen werden kann.

Nimm dir doch 4 Minuten Zeit und schau dir den Film an, der Iyengar Yoga sehr anschaulich darstellt.
Ich habe diesen im Auftrag und in Abstimmung mit dem Iyengar Yoga Verein Deutschland und gemeinsam mit David Feuerstein produziert.

„Ausdehnung bringt Raum, Raum bringt Freiheit,
Freiheit bringt Präzision, Präzision ist Wahrheit,
und Wahrheit ist Gott“

– B.K.S. Iyengar –

B.K.S. Iyengar & Familie

B.K.S. Iyengar wurde 1918 in Bellur in Südindien geboren. Er hatte als Kind und Jugendlicher eine sehr schlechte gesundheitliche Konstitution, weshalb er sich mit 16 Jahren seinem Schwager Krishnamacharya anvertraute, der ein sehr angesehener und bekannter Yogameister war und den den Maharadscha in Mysore unterrichtete.

Iyengar unterzog sich einer sehr strengen Ausnildung, während dessen sich sein Gesundheitszustand zunehmend besserte und stabilisierte. Schließlich zog er nch Pune, wo er heiratete und eine Familie gründete. Im Jahre 1975 etablierte er nach dem frühen Tod einer Frau Ramamani das ihr zu Ehren genannte Iyengar Memorial Yoga Institute (RIMYI).

Nach der strengen Ausbildung bei Krishnamacharya zog Iyengar nach Pune und widmete sich weiter dem Studium und der Lehre des Yoga.

Viele berühmte Persönlichkeiten wie Krishnamurti und Yehudi Menuhin wurden von B.K.S. Iyengar unterrichtet. Insbesondere seine Freundschaft mit letzterem trug wesentlich zu seinem Einfluss in der westlichen Welt bei.

Heute wird Iyengar Yoga in mehr als 70 Ländern unterrichtet, im Jahr 2004 wurde Iyengar vom Time Magazine als einer der 100 einflussreichsten Menschen der Welt genannt.

B.K.S. starb am 20.August 2014 in Pune.

Geeta S. Iyengar

Geeta S. Iyengar wurde 1944 als älteste Tochter von B.K.S. Iyengar in Pune geboren. Im Alter von 10 Jahren begann sie unter der Anleitung ihres Vaters Yoga zu üben und seit 1962 unterrichtet sie selbst. Nach dem Tod ihres Vaters leitete sie gemeinsam mit ihrem Bruder Prashant S. Iyengar das Ramamani Iyengar Memorial Yoga Institute.

Als Lehrerin legt sie besonderes Augenmerk auf die spezifischen Bedürfnisse von Frauen. Die Tatsache, dass im Iyengar-Yoga das Üben der Asanas auf den weiblichen Körper abgestimmt wird, geht auf sie zurück. Ihr Buch “Yoga für die Frau” gilt als Standardwerk auf diesem Gebiet.

Zwei Tage nach den großen Feierlichkeiten anlässlich des 100. Geburtstages ihres Vaters am 16.Dezember 2018 verstarb auch sie.

Prashant S. Iyengar

Prashant S. Iyengar wurde 1949 geboren und ist der einzige Sohn von B.K.S. Iyengar.

Sein Interesse gilt insbesondere den klassischen Schriften über Yoga, mit denen er sich intensiv beschäftigt hat. Es ist sein Anliegen, dieses Wissen im Unterricht zu vermitteln und mit der Asana-Praxis zu verbinden.

Gemeinsam mit Abhijata, der Enkelin Iyengars, leitet er heute erfolgreich das Institut. Abhijita bringt viele neue Impulse ein, ohne das Erbe Ihres Großvaters zu verraten. Wir verdanken ihr z.B. eine Modifizierung und Vereinfachung der Zertifizierungsstufen, was den Ausbildungs- und Fortbildungsprozess erheblich verjüngt.